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Heiliger Gral: der eigene Malstil. Brauch ich das?

Eigener Malstil - brauch ich das?

Ein eigener Malstil ist toll! Damit wird deine Kunst überall ERkannt und BEkannt. Und du bist Vorreiter für andere, die dir nacheifern. Deine Kunst lässt sich so viel besser vermarkten und verkauf…

Ach so.

Das ist grad gar nicht dein Plan?

Dann lass uns drüber reden, ob es wichtig ist, seinen eigenen Malstil zu finden – oder vielleicht auch (erst mal) nicht.

Brauchst du einen eigenen Malstil?

Wenn du schon mal auf meinem Blog gestöbert hast, weißt du: Hier geht’s um Aquarellmalen für Anfänger und generell entspanntes Malen. Daher ist das Ganze hier eh eine Prise lockerer und das Thema „Malstil“ weit unten auf der Liste.

Vermutlich möchtest du malen oder damit anfangen, weil’s dir Spaß macht. Weil es dich entspannt. Weil du Farben liebst. Weil ein kreatives Hobby deinen Alltag bepuderzuckert. Und das soll möglichst lange auch genau so bleiben?

Freude vor Malstil
Freude am Malen kommt ganz klar VOR Malstil 🙂

Dann habe ich gute Nachrichten: Es ist nicht so wichtig, einen eigenen Stil zu haben, der dich und deine Kunst absolut einzigartig macht. Und schon gar nicht sofort 😌.

Aber warum sind dann gefühlt so viele scharf drauf? Und wofür sollte jemand überhaupt einen eigenen Malstil brauchen?

Wann ein eigener Malstil sinnvoll sein kann

Künstler, die mit ihrer Kunst Ruhm, Anerkennung, Reaktion und Geld verdienen wollen, tun gut daran – nicht immer und ausnahmslos, aber oft –, wiedererkannt zu werden.

Genau dafür brauchen sie einen ganz besonderen und individuellen Stil.

Der hilft immens beim Vermarkten der Kunst. Wenn Kunst vor allem ein Geschäft ist und nicht nur auf wenige Einzelstückliebhaber, sondern auf Wiederholungskäufer, Sammler und Wertanleger trifft (und treffen soll), lässt sich ein bewährter Stil auf Jahre gut verkaufen. (Kennst du vielleicht auch so aus der Musikbranche …)

Deshalb sind manche (viele?) Künstler so fixiert auf ihren Wiedererkennungswert. Und dieser Anspruch schwappt irgendwie rum und letztlich rüber in unsere Hobby-und-Spaßmaler-Bubble.

Bitte nicht falsch verstehen: Natürlich ist es nicht verboten, einen eigenen Stil zu entwickeln. Abhalten will ich dich davon nicht! Positiv gesehen ist er deine ganz eigene Art und Weise, dich (wiedererkennbar) auszudrücken.

Aber ich würde dir gern den Druck nehmen, einen Stil entwickeln zu MÜSSEN. Weil du vielleicht glaubst, dass das zum Malen dazugehört.

Wiedererkennbarer Stil
Ergebnis einer Google-Suche. Erkennst du den Künstler an seinem Stil?

Wenn der eigene Malstil zu Angst führt

Einen eigenen, gut wiedererkennbaren Stil zu haben, kann vorteilhaft (und erfüllend) sein.

Aber was viele für erstrebenswert halten, kann auch Angst machen.

Angst, nicht mehr erkennbar zu sein, wenn man was Anderes probiert. Angst, dadurch an Wert zu verlieren. Angst, die eigene Kunst nicht mehr (gut) verkaufen zu können. Bis hin zu dieser Sch…-Angst, nicht (mehr) gut genug zu sein …

Ich kann mir vorstellen, dass die Kreativität so komplett flöten geht. (Sicher gibt es Ausnahmen. Wenn sich ein Künstler mit seinem Stil wohlfühlt, ist das Bewusstsein, in seiner eigenen unverkennbaren Art zu malen, sicher eine tiefe Freude.)

Was auch nicht funktioniert: Wenn du dich zu sehr allein schon auf den Wunsch nach deinem eigenen Stil fixierst.

Dann denkst du beim Malen zu viel drüber nach, ob dir das jetzt wohl entspricht oder nicht, ob’s zu deinem Stil passt oder nicht und welche Konsequenzen das wohl hätte.

Wenn ein eigener Malstil Druck und Angst macht
Wenn der eigene Malstil zu Angst führt, ist die Freude am Malen ganz schnell weg …

Könnte ja sein, dass jemand deinen Stil nicht mag – was besonders schmerzhaft wäre, weil du dich in deinem Stil ja persönlich zeigst – und du dich abgelehnt fühlst. Autsch …

Dann schaust du vielleicht nach den anderen: Warum schaffen die das, einen eigenen Stil zu entwickeln und ihm treu zu bleiben? Willkommen in der Vergleichsfalle …

All das kann dich vom Malen abhalten. Und das wollen wir doch nicht!

Malstil wechseln erlaubt!

Interessanterweise hat’s manch bekannter Künstler andersrum gemacht, wie zum Beispiel Gerhard Richter oder Paul Cézanne.

Sie waren offen für andere Stilrichtungen, Kunstformen, andere Materialien, andere Perspektiven. Wer weiß, vielleicht war ihnen zwischendurch auch langweilig und sie hatten Bock (Pardon my French), mal was anderes auszuprobieren 😉.

So ein Stilwechsel muss nicht gleich der komplette Stil- oder Themenbruch sein. Aber wer ausprobiert, neugierig bleibt und gerne experimentiert, entwickelt sich weiter und ziemlich sicher auch mal in eine andere Richtung. Spannend, oder?

Und wenn du doch einen eigenen Malstil willst?

So kann’s funktionieren – wenn du (vielleicht irgendwann mal) doch einen eigenen Stil entwickeln möchtest:

Tipp Nr. 1: Ignorieren

Am besten du ignorierst das Thema „eigener Malstil“. Souverän und entspannt 😎.

Den eigenen (Mal-)Stil angestrengt suchen ist nämlich ein Problem, das man nicht braucht. Manchmal kommt es mir vor wie ein Zwang, der „Heilige Gral“, der gerade „in“ ist, aber so gar nicht hilfreich. Ein zu starker Fokus auf den eigenen Stil hält dich eher vom Malen ab, als dass er dich motiviert.

Du musst auch gar nicht (nur) individuelle Kunst hervorbringen. Du darfst sehr wohl nach Anleitungen und Vorlagen malen.

Wetten, es ist nie eine exakte Kopie? Es steckt ja doch immer was von dir mit drin. Vielleicht hast du nicht die gleichen Materialien und Fähigkeiten wie der Tutor – oder einen etwas anderen Geschmack.

Selbst wenn alle das gleiche Bild malen, es wird immer anders aussehen.

Gut, dein eigenes Werk – und dein eigener Stil – ist das am Ende nicht, aber vielleicht ein erster Schritt auf dem Weg dorthin.

Und wenn’s um die reine Freude beim Malen geht, darf man auch bei anderen mitmalen! (Du haderst mit dir, weil du immer „nur“ abmalst? Dann lies hier, warum und wann Abmalen gut ist)

Tipp Nr. 2: Malen, malen, malen

Wenn du immer weitermalst und Dinge wiederholst, wird das Ganze irgendwann nach dir aussehen. Ausdruck deiner selbst sein. Wie deine Handschrift. Vielleicht tut es das schon und du siehst es nur noch nicht 🧐.

Deinen Stil musst du auch gar nicht groß „finden“. Er ist schon in dir drin:

  • Du liebst bestimmte Farben, zart oder bunt, dezent oder knallig.
  • Du magst es fein und detailliert oder lieber üppig und großzügig.
  • Du interessierst dich für Stillleben, Landschaften, Gesichter oder Blumen als Motiv.
  • Du magst fotorealistische Bilder oder liebst es stilisiert und abstrakt.
  • Du malst schnell und locker oder lieber geduldig und genau.
  • Welche Künstler oder Bilder findest du toll? (ein guter Hinweis darauf, in welche Richtung es vielleicht für dich geht)

Während du immer weitermalst, lernst du dich besser kennen und entdeckst, was dir gefällt (auch wenn du dir grad noch nicht sicher bist, was eigentlich so deins ist).

Manches tust du bewusst, weil du es magst. Anderes ergibt sich rein zufällig. Daraus entwickelt sich mit der Zeit deine eigene Art zu malen.

Mit der Freiheit, drauf achten zu dürfen, aber nicht zu müssen, was andere schön und richtig finden. Damit umschiffst du gleich auch die fiese Vergleicherei.

Tipp Nr. 3: Weg = Ziel

Jawohl, das klingt platt, is‘ aber so: Der Weg ist das Ziel. Auf diesem Weg malst du dich Bild für Bild voran zu deiner individuellen Ausdrucksweise. Das muss dir noch nicht mal bewusst sein. Es kommt, wie’s kommt. Weil’s kommt.

Malstil oder kein Malstil – das ist hier die Frage

Bei mir ist es grad so: Ich hab wenig Lust auf Farbenmischen und male deshalb viel mit den reinen, kräftigen Farben aus dem Aquarellfarbkasten.

(Wobei ich auch skandinavisch-zarte oder erdig-goldige Töne sehr mag …)

Meine Bilder werden so meistens auf eine ganz bestimmte Weise bunt. Sagen die, die meine Bilder anschauen. Inzwischen fällt es mir auch auf.

Ist das schon ein eigener Stil? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Ist das nur bunt oder schon ein eigener Malstil?
Ist das nur bunt oder schon ein eigener Malstil?

Ganz ehrlich? Es kümmert mich nicht (mehr).

Ich. Will. Malen. Für mich. Für meine Freude.

Nicht für Social-Media-Herzchen. Sondern so, wie ich es möchte. Frei wie ein Kind. Ohne Gedanken daran, wie (und ob) ich oder meine Bilder als „Marke“ rüberkommen.

Denn wenn mich das Malen erfüllt, macht es mich glücklich und kommt gut an. Bei mir selbst. Vielleicht ja auch bei dir – und du malst dann hier bei Enjoy-Aquarell mit mir mit (hier findest du Aquarell-Anleitungen für Anfänger).

Oder bei anderen, denen ich mit meinen gemalten Bildern eine Freude machen kann. Mmh, klingt alles wie „Kirsche auf Sahne“ 😊.

Der Druck, einen eigenen Stil entwickeln zu müssen, nahm mir anfangs die Luft. Als ich noch dachte: DAS MUSS SO.

Heute weiß ich: Ich darf meiner Kreativität folgen, meiner Neugier und meinen Impulsen. Neue Techniken ausprobieren, neues Material testen, mich an andere Motive wagen. Ich muss mich nicht festlegen und darf meinen „Stil“ jederzeit wechseln. Aber auch: Ich darf dem treu bleiben, was mir (heute) Spaß macht. Und: Überraschung! Du darfst das alles auch!

Fazit: Du kannst auch ohne eigenen Malstil malen

Wenn du nicht gerade den Kunstmarkt stürmen und erobern willst, brauchst du nicht zwingend einen eigenen Malstil.

Mal einfach drauflos. In jedem deiner Bilder steckt immer was von dir drin. Deine Vorlieben, dein Geschmack, das Material, das für dich verfügbar ist, und ja, auch deine aktuellen „technischen“ Fähigkeiten.

Wenn du über eine längere Zeit malst … Wenn du weißt, was dir gefällt … Wenn du deine Fähigkeiten weiterentwickelst … Wenn du offen bleibst, experimentierst und nach rechts und links schaust … entwickelt sich deine ganz persönliche Ausdrucksweiseaka dein eigener (Mal-)Stil – von alleine. And here we are

Viel Freude auf deinem Mal-Weg wünsch ich dir!

Bis bald ❤.

Franziska

Wie hältst du es mit dem Malstil? Hast du schon einen, suchst du gerade oder malst du einfach drauflos?
Lass mir gern unten einen Kommentar da ❤,
ich bin gespannt auf deine Erfahrung.

2 Kommentare

  1. Moin Franziska, sehr schöner Artikel. Kann ich voll nachvollziehen. Für mich ist ebenfalls der Weg das Ziel. Ich mag mich nicht in ein Malstil-Korsett zwängen. Ich mag es mit Themen, Farben und Medien zu spielen und zu experimentieren. Das macht mir Spaß und ich bin überzeugt, dass man das meinen Bildern ansieht. Bei deinen ist es jedenfalls so 😉
    Schön, dass ich deinen Blog über Judith Peters‘ MoRüBlis gefunden habe. Es macht Spaß, deine Bilder zu schauen und deine Artikel zu lesen.
    Liebe Grüße von der Nordseeküste,
    Heike

    1. Moin! Danke, liebe Heike, für deine freundlichen und motivierenden Worte, ich freue mich sehr 💙.

      Ja, an deinen Bildern (bin eben kurz auf deine Website gehüpft 😊) sieht man auch die große Freude an Farben und die fröhliche Offenheit, verschiedene Dinge auszuprobieren.

      Gerade heute Morgen habe ich von einer Künstlerin gehört, dass sie sich damit „abgefunden“ hat, zwei(!) ziemlich unterschiedliche Malstile zu haben. Das eröffnet doch ganz neue (und entspannte) Perspektiven 😉.

      Alles Liebe & Grüße aus der Lüneburger Heide
      Franziska

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